Bogotá, den 23. Dezember 2010
Liebe Familie, Freunde, Beter und Unterstützer,
es ist wieder soweit! Das Jahr 2010 naht sich dem Ende zu. Für viele ist es die Zeit, in der man sich Gedanken macht über die vergangenen 12 Monate. Welche Ziele wurden erreicht? An welchen ist man gescheitert? In den letzten Tagen habe ich mich oft gefragt: „Hat sich dieses Jahr gelohnt?“ Manchmal würden wir gerne mehr Erfolge sehen. Eine Lebensveränderung der Menschen mit denen wir arbeiten. Es gab so manche Tage an denen ich mich fragte: „Bringts das überhaupt was wir machen? Jetzt haben wir soviel an Zeit und Geduld in die Kinder investiert, wir haben ihnen so viele Werte und Wahrheiten aus der Bibel beigebracht, aber immer noch fluchen viele, streiten, lügen, bedrohen sich mit Messern, nehmen Drogen und glauben mehr den vielen Lügen, die ihnen ihr Umfeld beigebracht hat als den Wahrheiten Gottes.“
"Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem" Römer 12,21
Die Jahreslosung für das kommende Jahr macht uns Mut trotz allen Zweifeln und Fragen mit Jesus weiterzugehen. An Weihnachten feiern wir die Geburt dessen, der uns vorgelebt hat, wie man das Böse überwindet. Nämlich im Aufschauen zu Gott, im Gehorsam, Glauben an und Vertrauen auf IHN und indem wir unseren Mitmenschen Gutes tun. Egal wie die Umstände aussehen. Egal, was das vergangene Jahr an Negativem, an Frust oder an Misserfolgen mit sich brachte. Wenn wir auf der Seite unseres Herrn Jesus sind, dann wird das neue ein Jahr werden, an dem wir das Böse mit Gutem überwinden werden. Das wünsche ich Ihnen/Euch!
Am 18 Dezember war das große Finale für dieses Jahr angesagt. Wir feierten Weihnachten in Corinto. 300 Kinder bekamen ein Geschenk. An diesem Tag erlebten wir viele glückliche Kinder, die sich über Klamotten, Schuhe, Süßigkeiten und Spielzeug sehr gefreut haben.
Nach über 30 000 Mittagessen, die wir seit April 2009 in Corinto ausgeben konnten, müssen wir nun an Weihnachten mit diesem Projekt erst einmal aufhören. Das Viertel in dem wir arbeiten wird von der Regierung aufgelöst, da wie sie sagen ein hohes Lebensrisiko für die Bevölkerung dort besteht. Doch dahinter stecken Pläne, Wohngebiete für die Reichen zu erschliessen. Nun gut, für uns heisst das jetzt, dass wir dann auch gehen müssen. Die Menschen werden von der Regierung in speziellen „Wohnsiedlungen für die Armen“ in unterschiedlichen Gebieten der Stadt angesiedelt. Zum Einen bedeutet dies, dass sie ihre einfachen Hütten aus Holz und Wellblech eintauschen in gemauerte Häuser. Angesichts der aktuellen seit Monaten anhaltenden Regenfälle ist das ein Fortschritt. Doch besteht in diesen neuen Wohnvierteln ein erhöhtes Risiko an Gewalt und Kriminalität. Auch mussten vorher die Menschen in Corinto fast nichts für Wasser, Strom und Gas bezahlen. und bekamen viel Unterstützung von Hilfswerken wie z.B. FUNTEA. Nun fallen monatlich sehr viel höhere Kosten an. Für diese Menschen ist es oft nicht einfach, Arbeit zu finden, oder sie haben sich schon so daran gewöhnt, alles zu bekommen, dass sie nicht mehr arbeiten wollen. Eines unserer Ziele für das nächste Jahr ist es, diese Menschen in den unterschiedlichen Vierteln weiter zu betreuen. Für uns werden sich dadurch auch hervorragende Möglichkeiten ergeben, in diesen Vierteln eine neue Arbeit zu beginnen. Es gibt Leute, die uns schon kennen und die uns helfen dort Fuß zu fassen.
Was wir nächstes Jahr besser machen wollen: (Gebetsanliegen!)
1.Einer der Gründe, warum ich denke dass wir bei vielen Kindern wenig Veränderung sehen ist der negative Einfluss der Eltern. Es ist ehrlich gesagt sehr schwer mit ihnen zu arbeiten. Zu markiert ist ihr Leben durch das Böse, das sie erlebt haben und das sie selber auf unterschiedlichste Weise praktizieren. Gott sehen sie eher als Hindernis an, weil sie sich ja bei ihm von diesen Dingen abwenden müssten. Doch wenn wir den Kindern helfen wollen, müssen wir das Problem an der Wurzel angehen. Und das sind die Eltern. Also wollen wir den Fokus unserer Arbeit nun mehr auf sie richten, ohne natürlich die Arbeit mit den Kindern zu vernachlässigen.
2.Wenn man die Not der Menschen sieht will man gerne allen helfen. Doch mussten wir erkennen, dass es besser ist auf Qualität als auf die Menge zu setzen. D.h. wir wollen nächstes Jahr lieber weniger Menschen helfen, dafür aber mehr Zeit und Hilfe für diejenigen investieren, die auch wirklich vorwärtsgehen wollen.
3.Nach dem Motto „Wir geben den Menschen nicht die Fische, sondern lehren sie zu fischen“ wollen wir den Eltern helfen Arbeit zu finden. Bitte betet dafür, dass sich Türen öffnen und wir auch Ideen bekommen. Es gibt bis jetzt noch kein konkretes Projekt doch denken wir an unterschiedliche Möglichkeiten wie z.b. eine Bäckerei, ein kleines Restaurant, Herstellen von Holzspielzeug, Bilderrahmen usw…
„Ein Haus für Aktion Barmherzigkeit“ wird immer realistischer. Wir haben nun schon fast 100 000 Euro an zugesagten Spenden bzw. zinslosen Darlehen zusammen. Nun beginnt die Suche nach einem geeigneten Gebäude. Bitte unterstützt uns auch da im Gebet, dass wir das richtige finden. Es fehlen noch ungefähr 20 000 Euro. Im Mai läuft der Mietvertrag mit dem jetzigen Haus aus. Unser Ziel ist es deshalb, dass wir bis dahin das Projekt umsetzen können. Wer uns dabei mithelfen möchte, kann sich unter folgender E-mail an Angelika Walker wenden: walkerangelika@web.de
Immer wieder wurde ich die letzten Tage aus Deutschland gefragt, wie es bei uns mit Überschwemmungen aussieht. Es stimmt, Kolumbien steht zu großen Teilen unter Wasser. Seit Monaten regnet es sehr viel. Ernten sind zerstört. Futter für die Tiere wird kanpp. Ganze Dörfer und Wohnviertel wurden mit dem Wasser weggeschwemmt und wichtige Autobahnen sind durch Erdrutsche oder Brückeneinstürze unpassierbar gweworden. In Bogotá selbst bekommen wir davon wenig mit. Nur die Lebensmittelpreise steigen drastisch. In Corinto ist es zwar nass und kalt, aber es gab keine Erdrutsche und es sind auch keine Hütten eingestürzt. Gott sei Dank!
Zum Schluß wollen wir uns bei all denen bedanken, die die Arbeit von Aktion Barmherzigkeit und FUNTEA durch ihre Unterstützung in diesem Jahr möglich machten. Auch wir als Familie durften immer wieder staunen über so viele Menschen, die an uns dachten und uns immer wieder auch überraschten mit E-mails, Briefen, Päckchen und sogar mit Besuchen.
Wir wünschen allen ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes neues Jahr 2011! Lasst uns zu Jesus aufschauen und mit IHM den Frust, die Schwierigkeiten und Nöte unseres Lebens überwinden! Lasst uns weiter das Gute tun!
Gott segne Sie/Euch!
Ihre/Eure Angie&Tobias mit Ana Sofía Blankenhorn