Bogotá, den 22. März 2010
Liebe Familie, Freunde, Beter und Unterstützer,
wie sehr haben wir uns auf diesen Moment gefreut. Am Donnerstag, dem 4. März, um 7.30 Uhr morgends war es soweit, und wir konnten endlich unsere Ana Sofia in die Arme schliessen. Voller Staunen, mit einer unbeschreiblichen Freude und Dankbarkeit dürfen wir nun miterleben, wie ein wahres Wunderwerk Gottes sich entfaltet. Der Name Ana kommt aus dem Hebräischen und heisst „Die Begnadete“.
Bei all den schlimmen und traurigen Nachrichten und Ereignissen der letzten Wochen, habe ich mich immer wieder gefragt, wie können wir ein Kind groß ziehen, inmitten einer Welt, in der man tagtäglich mit so vielen schrecklichen Schicksalen konfrontiert wird. Und jedes Mal, wenn mir so Gedanken in den Sinn kamen, musste ich feststellen, dass wir als Kinder Gottes, die wir doch in seiner Gnade und Gunst leben, trotz allem beruhigt in die Zukunft schauen dürfen. Jesus macht uns doch Mut, wie z.B. im folgenden Vers:
Dieses habe ich zu euch geredet, auf dass ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Angst; aber seid gutes Mutes, ich habe die Welt überwunden. Johannes 16, 33
Das ist mir gerade in dieser Zeit ganz neu eine tiefe Gewissheit geworden und erfüllt mein Herz und meine Gedanken mit Frieden, dass Gott doch in allem die Kontrolle hat. Und ich einfach nur beruhigt ihm meine Sorgen hinlegen darf. Er sorgt für uns. Und er sorgt auch für Ana Sofia. Wir möchten uns bedanken für all Eure Begleitung im Gebet während der Schwangerschaft und bei der Geburt und auch für alle Glück-und Segenswünsche für die Zukunft.
Im Folgenden bekommt ihr nun die wichtigsten Infos der letzten drei Monate sowie wichtige Gebetsanliegen von Aktion Barmherzigkeit und FUNTEA.
Kids-Camp
Wie im letzten Rundbrief berichtet, hatten wir Anfang Dezember ein Wochenende mit 15 Kids. Gott sei Dank durften nach langem Hin-und Her der Eltern am Ende doch noch alle mit. Für die Kids war es zum Einen ein eindrückliches Erlebniss, dass sie einmal weg von den Problemen ihres Viertels und der Familie in einer Umgebung sein konnten, in der sie unbeschwert spielen konnten. Zum Anderen war es aber auch eine intensive Zeit in der Gegenwart Gottes. Es sind viele Tränen geflossen während Gott durch verschiedene Themen, Gebets und Lobpreiszeiten die Wunden der Vergangenheit heilte. Wir waren Zeugen davon, wie Er eine neue Freude in die Herzen der Kinder legte. Neben all den wichtigen praktischen Hilfen wie Essen, Kleidung, psychologische Betreuung und Freizeitgestaltung, die wir für die Kinder in Corinto anbieten, sind für mich die schönsten Momente immer noch die, wenn ich Gottes Wirken in dem Leben der Kinder sehen darf. Und das geschah an diesem Wochenende. Ehrlich gesagt habe ich mir die Nacharbeit einfacher vorgestellt. Der negative Einfluss der Familien und des Viertels ist doch sehr heftig. Auch merken wir, wie es schwierig ist, konstant mit den Kids zu arbeiten, da das Armenviertel doch auch eine Durchgangsstation ist. D.h. dass immer wieder Kids, mit denen wir gearbeitet haben, mit ihren Familien wegziehen, und sich neue Familien ansiedeln. Unter den Kindern, die über Weihnachten wegzogen, waren auch vier Kinder, bei denen wir eine krasse Veränderung erleben durften und auch wie sie Jesus ihr Leben übergaben und Freude daran hatten, die Bibel zu lesen und zu beten. Wir können sie nur im Gebet Gott anbefehlen und dass sie weitergehen mit ihm und auf andere Christen treffen, die ihnen dabei helfen. Das Loslassen dieser Kinder fällt schwer, aber auch da darf ich auf einen Gott Vertrauen, der die Kontrolle darüber hat.
Aus dieser guten Erfahrung des Kids Camp heraus und aus der Erfahrung, dass es wichtig ist, die Eltern mit einzubeziehen in den Prozess ihrer Kinder, wollen wir nun Anfang Mai ein Wochenende für Kinder mit ihren Eltern gestalten. Hauptthemen werden sein: Vergebung und Familie im Sinne Gottes. Bitte betet für eine gute Planung, ein gutes Gelingen und dass Gott die Herzen berührt und verändert.
Aktivitäten in der Weihnachtszeit
Ab Ende November endet das Schuljahr in Kolumbien und die Kinder haben für zwei Monate Schulferien. So boten wir ihnen unterschiedliche Aktivitäten an über Spiele, Sport, Nachhilfe, Kurse für Lesen und Schreiben, Englischunterricht, Lobpreistänze, bis hin zu Workshops wie „Wir bauen einen Schneemann“ oder das Herstellen von Schokoladenfiguren. Der Höhepunkt war natürlich die Weihnachtsfeier, in der die Kinder von Aktion Barmherzigkeit mit Dani Schilke für die Kids in Corinto ein Anspiel aufführten, es gab einen Stationenlauf zur Weihnachtsgeschichte und jedes Kind bekam ein Geschenk.
Zu Weihnachten erhielten wir ausserdem von einer Firma drei Computer für Corinto und zwei für AB für die Hausaufgaben der Kinder und von Leuten aus unserer Gemeinde in Bogotá 50 zusätzliche Weihnachtsgeschenke.
Im Februar konnten wir Dank einer Spende eines Schuhfabrikanten allen unseren Kids ein Paar Turnschuhe überreichen.
Am 1. Januar bekamen wir einen Anruf, dass es in Corinto gebrannt hat. Eine Familie mit 10 Kindern und 9 Erwachsenen verlor ihr weniges Hab und Gut wegen Brandstiftung. Gott sei Dank konnten die Personen noch rechtzeitig ins Freie gelangen. Drei der Kinder kommen immer zu unseren Mittagessen und den Aktivitäten und mit der Mutter haben wir schon viel über Gott reden können und ihr Mut gemacht, da ihr Leben geprägt ist von der Gewalt und den Demütigungen der älteren drogenabhängigen Kinder und des gewalttätigen Ehemanns. Wir fuhren sofort hin. Es war ein trauriges Bild, das sich uns bot. Die ganze Familie saß betroffen auf dem Boden neben den verkohlten Überresten ihrer Hütte. Wir halfen mit beim Aufbau einer Notunterkunft, so dass sie wenigstens die Nacht nicht im Freien verbringen mussten. Wir halfen auch mit Betten, Matratzen, Decken, Klamotten und Lebensmitteln. Es ist schon krass, wenn man plötzlich alles verliert und auf der Strasse sitzt. Die Armen haben keine Brandschutzversicherung.
Bei Aktion Barmherzigkeit fand im Januar unser erster Umzug für dieses Jahr statt. Die Jungs wohnen nun im selben Haus wie die Mädchen in voneinander abgetrennten Bereichen. Es ist eng, und als Übergangslösung bis Mai gedacht. In den letzten drei Monaten bekamen wir für den Kauf eines Hauses schon feste Zusagen von ca. 35.000 Euro, die wir teils als Spende erhalten, teils als zinsloses Darlehen zurückbezahlen können. Für ein geeignetes Haus brauchen wir mindestens 100 000 Euro. Wir haben die Möglichkeit von Krediten hier vor Ort geprüft, doch sind die Zinsen zur Zeit so enorm, und der Wechselkurs von Euro zu Peso so schlecht, dass es momentan keinen Sinn machen würde. Im Mai läuft der Mietvertrag im Mädchenhaus aus und wir werden dann für ein weiteres Jahr ein Gebäude für unsere Kids mieten. Wer uns mithelfen möchte beim Projekt „Hauskauf“ mit zinslosen Darlehen oder Spenden, der kann sich bei Angelika Walker (walkerangelika@web.de) oder mir melden. Bitte bei den Überweisungen immer auch den Zweck „Hauskauf AB“ angeben, damit wir dieses Geld auch nur dafür verwenden.
Durch aktuelle Vorkommnisse bei AB ist es uns wieder einmal bewusst geworden, wie anfällig unsere Kinder, v.a. einige neue Mädchen in Bereichen wie Sexualität, Drogen und Diebstahl sind, bedingt durch die Erfahrungen von Missbrauch und falschen Vorbildern. Bitte betet besonders auch um Schutz der Kids in den Schulen und auf dem Schulweg, wo die größte Gefahr für sie besteht, an die falschen Menschen zu geraten. Da ich desöfteren schon gefragt wurde, für was oder wen man konkret beten kann, liste ich euch die Namen der Kids auf, die momentan bei uns sind; Jeison, Camilo, Brandon, Juan Estiven, Dario, David, Brayan, Klen, Estiven, José, Luis Carlos, Wilkerson, Angela, Viviana, Yuri, Susan, Marta, Angie, Sara, Erika, Angelica, Cristina, Tatiana. Alle haben es in verschiedenen Bereichen nötig, dass Gott den inneren Nöten begegnet und die tiefen Wunden ihres Herzens heilt. Ich denke oft, wenn ich die Kids vor mir habe, wie viele Probleme und innere Nöte hat nicht ein Jugendlicher, der aus „normalen“ Familienverhältnissen kommt. Wie viel mehr diese Kinder und Jugendliche, die von klein auf so viel Ablehnung und Gewalt miterlebt haben.
Wichtige Information an alle Spender
Immer wieder bekomme ich Fragen zugeschickt von Spendern, die nicht sofort eine Rückmeldung bekommen haben über den Spendeneingang. Ich bin sehr froh, im Opferring einen schon seit jahrzehnten existierenden Verein gefunden zu haben, der ehrenamtlich arbeitet, d.h. ohne Abzug für Verwaltungsaufgaben die Spenden nach Kolumbien und auch an andere Missionen im Ausland weiterleitet, sowie die Buchführung in Deutschland abwickelt. Im Unterschied zu großen Werken, die speziell für die Buchführung und Information an die Spender bezahltes Personal eingestellt haben, kann der Opferring dies nicht in der Art und Weise leisten. Bitte habt dafür Verständniss. Seither haben wir das ja so gehandhabt, dass immer am Anfang des neuen Jahres die Spendenbescheinigungen des vergangenen Jahres zugeschickt wurden. Und das ist dann letztendlich die einzige Information gewesen, die den Spendern gezeigt hat, dass ihr Geld angekommen ist. Wir sind zur Zeit am Überlegen, wie wir das verbessern können. Das Ziel ist es, dass spätestens nach 3 Monaten bei erstmaligen Spenden über deren Eingang informiert wird. Sollte jemand bis jetzt keine Spendenbescheinigung vom Jahr 2009 bekommen haben, so sollte er sich dringend bei mir oder beim Vorsitzenden vom Opferring, Markus Krumm. Tel. 07021/738760 melden. Bei einigen Überweisungen fehlte die Anschrift des Spenders, so dass es bis jetzt nicht möglich war, die Bescheinigung zuzuschicken. Bitte immer bei der ersten Spende die Adresse mit auf der Überweisung angeben.
An der Stelle möchte ich ein großes Dankeschön ausdrücken dem Opferring, allen voran Andrea Burkhardt und Markus Krumm für all die Arbeit und Zeit, die Ihr einsetzt für diese so wichtige Aufgabe. Gott segne Euch dafür. Und auch allen Spendern einen herzlichen Dank, die Ihr so treu und reichlich diese Arbeit möglich macht. Möge es Gott Euch auf vielfacher Weise vergelten.
Es grüßen euch herzlich und mit guten Mutes,
Eure Angie & Tobias mit Ana Sofia